Das „Cluster Forst & Holz“ ist bundesweit und insbesondere im „Waldland“ Thüringen ein „volkswirtschaftliches Schwergewicht“: Die Branche beschäftigt im Freistaat rund um den Rohstoff Holz insgesamt ca. 40.000 Menschen, überwiegend in ländlichen Regionen – und erwirtschaftet dabei ein Steueraufkommen von jährlich 200 Millionen Euro. 100 Festmetern Holz, die durch die Wertschöpfungskette Forst & Holz durchlaufen, sichern in Thüringen mindestens 1,2 Arbeitsplätze und ein Steueraufkommen von über 10.000€.
Die verstärkte Nutzung der wichtigsten nachwachsenden Ressource wird angesichts endlicher fossiler Energieträger zukünftig zudem alternativlos sein.
Forst- und Holzwirtschaft haben aber auch eine immense klimapolitische Bedeutung: Jeder langfristig verbaute Festmeter Holz speichert klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre. Die nachhaltige und naturverträgliche Bewirtschaftung trägt zudem maßgeblich dazu bei, langfristig stabile und artenreiche Waldbestände zu sichern und auszubauen.
In Thüringen haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Betriebe der Holzindustrie angesiedelt, moderne und innovative Unternehmen – in ihren jeweiligen Segmenten führend in Europa, ja sogar weltweit. Ausschlaggebend für die Standortentscheidung waren sicherlich die hohen Holzvorräte „im grünen Herzen Deutschlands“ – sowie die guten forstlichen Strukturen: Mit ThüringenForst fanden die Unternehmen einen verlässlichen Partner auf der Rohstoffseite, um international wettbewerbsfähig zu sein.
Schlüsselfaktor für die Betriebe der Holzindustrie in und um Thüringen wird zukünftig die Rohstoffversorgung sein: Auf der einen Seite könnten überzogene Naturschutzmaßnahmen bis hin zu großflächigen Unterschutzstellungen von Waldgebieten das Holzaufkommen erheblich reduzieren, zum anderen sind auch die zukünftigen Strukturen und die personelle Ausstattung von ThüringenForst für die Holzindustrie entscheidend, insbesondere hinsichtlich einer planmäßigen Versorgung mit Rundholz aus dem Kleinprivatwald.
Die Wettbewerbsfähigkeit der Holzindustrie, und somit auch die immense volkswirtschaftliche Bedeutung, vor allem für den ländlichen Raum im Freistaat, kann nur mit einer ausreichenden Rohstoffversorgung aufrecht erhalten – oder sogar ausgebaut werden. Dazu sind verlässliche Partner auf der Rohstoffseite erforderlich, die mit professionellen Strukturen auch aus ungünstigen Besitzverhältnissen heraus die Rohstoffbasis der Wertschöpfungskette sicher stellen können.
Der Freistaat hat aufgrund der sehr ungünstigen Flächenstrukturen im Kleinprivatwald ein schweres Erbe. Nur Rheinland-Pfalz hat noch geringere Durchschnittsflächen je Waldbesitzer. Wenn das Holzaufkommen aus dem Kleinprivatwald gehalten oder sogar gesteigert werden soll, geht das nur über eine kontinuierliche und intensive Betreuung der Waldbesitzer – und zwar auf ganzer Fläche, auch dort, wo eine entsprechende Betreuung betriebswirtschaftlich nicht kostendeckend zu bewältigen ist. Mit dem Gemeinschaftsforstamt und der bisherigen Ausrichtung des Dienstleistungsangebotes im Betreuungswald hat ThüringenForst in der Vergangenheit in diesem Bereich bundesweit Spitzenplätze erreicht.
Kein Marktpartner mit Weitblick wird sich gegen notwendige Reformen sperren, wenn dadurch das bisherige Leistungsspektrum des Gemeinschaftsforstamtes zukunftsfähig erhalten und ausgebaut wird. Werden jedoch notwendige Reformen unterlassen oder bei Strukturänderungen falsche, rein haushalterische Akzente gesetzt, befürchten wir eine Verschärfung der ohnehin angespannten Rohstoffsituation, insbesondere mit Blick auf die stark rückläufige personelle Ausstattung auf Revierleiterebene.
Das gleiche gilt, wenn das bisherige Gemeinschaftsforstamt zwar auf dem Papier weiter erhalten bleibt, aber aus Sparzwängen mit Budgetkürzungen trotzdem Schritt für Schritt weiter ausblutet. Leider beobachten wir, dass ThüringenForst schon jetzt an Handlungsfähigkeit einbüßt. Gleichzeitig werden der Landesforstverwaltung weder die erforderlichen personellen Ressourcen zur Aufrechterhaltung der bisherigen Struktur zur Verfügung gestellt, noch werden ihr die Rahmenbedingungen z. B. mit einem Rechtsformenwechsel gewährt, mit denen sie Ihre bisherigen Aufgaben durch andere haushalterische Freiheiten wieder aus eigener Kraft erfüllen könnte.
Von den negativen Folgen dieses Dilemmas sind alle weiteren Verarbeitungsstufen betroffen, die von der Rundholzversorgung aus Thüringens Wäldern abhängig sind. Schon jetzt können die Betriebe teilweise nur unzureichend mit Rundholz versorgt werden. Hier sind akut Arbeitsplätze in Gefahr.
1. Erhaltung und Ausbau des Gemeinschaftsforstamtes mit einem intensiven Dienstleistungsangebot im Betreuungswald
2. Aufstockung der notwendigen Personaldecke insbesondere auf Revierebene mit Blick auf eine flächendeckende, intensive und kontinuierliche Betreuung im Kleinprivatwald (durch Erhöhung der Haushaltsansätze oder einen Rechtsformenwechsel)
3. Förderung, Ausbau und Professionalisierung ergänzender forstlicher Strukturen (Forstbetriebsgemeinschaften) zur Sicherung der Rohstoffverfügbarkeit
4. Kein weiterer Nutzungsverzicht im Staatswald (Totalreservate) sowie Abbau/Rückbau überzogener Naturschutzgesetzgebung (siehe Positionspapier AGR/BSHD und „Schwarze Liste der Naturschutzgesetzgebung)
5. Auch im Sinne der Mittelgenerierung des Thüringer Landeshaushaltes:
a) Steigerung des Nadelholzeinschlag im Staatswald (ungenutzte Potentiale)
b) Reform der Waldbaupläne, z.B. Senkung der Umtriebszeiten in der Fichte
6. Einbindung der unmittelbar wirtschaftlich betroffenen Säge- und Holzindustrie in die Politikfelder, die Einfluss auf die Rohstoffversorgung haben (Forststrukturen, Wald- und Naturschutzgesetzgebung)
7. Erhaltung des kostengünstigen Dienstleistungsangebots (Beförsterungskosten) im Kleinstprivatwald (5. DVO) durch ThüringenForst
1. Intensive Gespräche mit den Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung, insbesondere der Wirtschafts- und Finanzministerien in Thüringen
2. Gemeinsame Projekte mit den Landesforstverwaltung/Landesbetrieben zur Hebung von Synergien und Einspareffekten in der Logistikkette Wald – Werk, um dadurch frei werdende personelle Ressourcen verstärkt in der Betreuungsarbeit im Kleinprivatwald einzusetzen.
3. Ausbau von Projekten zur Aktivierung bislang passiver Waldbesitzer und Stärkung forstlicher Strukturen/Forstbetriebsgemeinschaften (à PPP Privatwaldförderung Thüringen)
gez. Lars Schmidt 31.05.2010

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